Es war diesmal etwas komplizierter eine repräsentative Stelle auszusuchen, die jedoch nicht spoilert!

 

Die Textschnipsel aus meinen Insta-Stories, mit denen ich euch jetzt wochenlang vertröstet habe, findet ihr darunter.

 

Und hier seht ihr den aktuellen Stand von "Mânil 3 - Irgendwas mit neuen Jacken" HIER

"Mânil 3 - Irgendwas mit neuen Jacken" (278 - 285, eine repräsentative, aber nicht spoilernde Leseprobe!)

Release-Lesung am 30.4.26
Release-Lesung am 30.4.26

Als Suketos Grundstück nur noch ein paar Straßen entfernt war, verabschiedeten wir uns und er zog wieder von dannen. Dann bog ich in die heruntergekommene Straße, namens ‚am Frühlingsbogen‘ ein, in der sich Suketos Grundstück verbarg und es fühlte sich glücklicherweise wieder an, wie Nachhause zu kommen. So konnte ich wieder schmunzeln über seine gründlichen Maßnahmen, die neugierige Passan­ten weiträumig von seinem, von außen gänzlich fluchverseuchten Stück Land fern­hielten.

Inzwischen war es schon nach halb elf und ich gab mich kurz der Hoffnung hin, mich unbemerkt hineinschleichen zu können, als ich Suketo sah. Wie zufällig lief er draußen herum und führte augenscheinlich Putzi Gassi. Das kam überraschend – so selten, wie er sonst sein Grundstück verließ, wenn er keinen triftigen Grund dafür hatte.

„Hey“, rief ich fröhlich, als ich näherkam. „Hast du dich verlaufen?“ Ich versuchte dabei, mir möglichst nichts anmerken zu lassen.

„Du tust, als wäre es ungewöhnlich, dass ich mir, wie jeder andere auch, die Beine vertrete und etwas frische Luft schnappe“, entgegnete er.

Ich runzelte die Stirn. „Ist es – zumindest, wenn du dafür dein Grundstück verlässt.“ Ich wollte zwar auch meinen Zustand überspielen, aber ihn hier draußen anzu­treffen, fand ich wirklich seltsam.

„Was machst du erst, wenn ich anmerke, dass ich den ganzen Tag unterwegs war?“, gab er zurück.

„Wo denn?“

„Das geht dich überhaupt nichts an. Wie siehst du eigentlich schon wieder aus?“, fragte er, betrachtete mich kritisch und fügte hinzu: „Vergiss die Frage, ich gewöhne mich schon eines Tages an deinen Anblick.“

„Danke, sehr lieb von dir. Den Gehrock habe ich mir übrigens von eurem Gutschein gekauft.“

„Na gut, der ist gar nicht schlecht. Gleichwohl siehst du schon ein bisschen aus wie ein…“

„Ja, ich weiß“, unterbrach ich ihn. „Das hab ich heute mehrfach gehört.“

„Du weißt doch gar nicht, was ich sagen wollte“, brummte er.

„Ein Yrachtaî, nehm ich an?“

„Turmkobold wollte ich sagen. Außer ihnen selbst bezeichnen alle anderen sie eher als Turmkobolde“, korrigierte er vor allem, um mir nicht zustimmen zu müssen.

„Ich war den ganzen Nachmittag über bei Silan. Ich hab mich an den Ausdruck gewöhnt.“

„Wie, und du bist, ohne was zu kaufen, wieder rausgekommen?“, staunte er.

„Ich war nicht zum Einkaufen da, ich hab ihn besucht. Er hat mich vor kurzem noch ermutigt, meine Rückkehr in dein Haus nicht aufzugeben.“

„Na, dann weiß ich ja, wem ich die Schuld daran geben kann, dass ich dich wieder an der Backe habe“, knurrte er und mit plötzlich sehr süßlicher Stimme: „Putzi, nein, komm weg da, das ist bäh!“

Ich unterdrückte ein Kichern, was er entweder nicht bemerkte oder konsequent ignorierte.

„Seid ihr befreundet?“, fragte er, wieder mit normaler Stimme.

„Ja, irgendwie schon“, antwortete ich, obwohl wir uns erst dreimal gesehen hatten. Suketo machte ein nachdenkliches Gesicht, das ich nicht zu deuten wusste.

Offenbar wollte er nicht näher darauf eingehen, denn er wechselte das Thema.

 

 

(um nicht zu spoilern, hab ich hier einen Absatz weggelassen)

 

Er nickte nur und fragte: „Ich geh noch ein Stück. Willst du mit?“ Dabei klang er plötzlich geradezu verdächtig harmlos.

„Klar.“ Zwar war ich skeptisch, aber neugierig. Putzi stromerte derweil über die Straße und schnüffelte hier und da, als wäre er eine Art echt gruseliger Hund.

„Hattest du denn einen schönen Nachmittag?“, fragte Suketo noch immer so un­heimlich harmlos. So, wie er ‚Nachmittag‘ jedoch betonte, nahm er es mir definitiv übel, dass ich, ohne Bescheid zu geben, erst so spät abends nach Hause gekommen war. Ich richtete mich drauf ein, dass das Donnerwetter deshalb noch folgen würde.

„Ja“, erwiderte ich einsilbig.

„Du bist folglich völlig entspannt und es geht dir gut?“

„Bis eben ja. Jetzt gerade machst du mir Angst.“

Er lachte nur und rammte mir ohne jede Vorwarnung einen Blitz in die Seite. Mein Defensivzauber fing das Gröbste tatsächlich ab, aber ich stolperte und sprang trotz­dem erschrocken zurück, woraufhin gleich ein zweiter Blitz folgte.

„He, was soll das? Ich hab nichts gemacht!“, protestierte ich empört und etwas außer Atem, da er mich trotz des Defensivzaubers empfindlich getroffen hatte.

„Wird Zeit, dass wir mal ausprobieren, wie kontrolliert du mittlerweile außerhalb des Regulierungszaubers auf meinem Grundstück bist. Findest du nicht?“

„Nein, absolut ganz und gar nicht!“, rief ich.

„Einer der Gründe, weshalb wir wieder hier sind. Einerseits ist dies das bestgeschützte meiner Grundstücke und andererseits fällt es in dieser Straße nicht auf, wenn du versehentlich etwas auseinandernimmst.“ Damit sandte er mir einen rotie­renden Feuerball entgegen, dem ich gerade noch ausweichen konnte, woraufhin der sich hinter mir in Luft auflöste, anstatt, wie sonst, irgendwo einzuschlagen.

„Das ist eine Scheißidee!“, fluchte ich. „Können wir denn nicht etwas weniger Adrenalinlastiges testen? Ich könnte ein paar Häschen beschwören oder so!“

„Das macht aber nicht halb so viel Spaß und dass du einfachere Sachen problemlos kontrollieren kannst, wissen wir ja. Da habe ich keine Zweifel. Also – was muss ich machen, damit du dich zur Wehr setzt?“

„Ich will nicht, ich weiß nicht, ob ich es hier draußen kontrollieren kann! Ich will keinen weiteren Xiktaku-Strand – du weißt schon…“ Fast klang ich quengelig.

„Genau deshalb machen wir das“, stimmte er zu. „Weil du das nicht weißt, und so praktisch mein Keller auch ist, wirst du es dort nicht herausfinden.“ Er hatte ein­deutig nicht vor, mir eine Wahl zu lassen.

„Gibt es Regeln?“, fragte ich unwillig.

„Halt mich davon ab, dich anzugreifen, ohne mir Schaden zuzufügen, oder die Um­gebung zu zerstören.“

Unglücklich sah ich an mir hinab. „Darf ich mir was Anderes anziehen?“

„Die Möglichkeit hast du in einem echten Kampf auch nicht“, lachte er.

„Fragen würde ich!“

Er verdrehte die Augen: „Das glaube ich dir sofort. Ich habe zur Not einen guten Reparaturzauber und jetzt stell dich nicht so an!“

Beleidigt verschränkte ich die Arme vor der Brust und murrte extra wehleidig: „Wehe, ich breche mir einen Fingernagel ab!“

„Dann solltest du von übertriebenen Infernos absehen.“

Der unsichtbare Energiestoß kam nicht unerwartet, aber zu schnell, als dass ich ihn hätte abwehren können. Somit ließ ich mich zu Boden fallen und vereiste mit beiden Händen die Straße, wobei ich Mühe hatte, die Eisfläche einzugrenzen und nicht sämtliche Häuser oder Putzi mit zu erwischen. Doch ich schaffte es, das Eis in den Griff zu bekommen und kam wieder auf die Beine. Suketo strauchelte kurz, fing sich und stampfte mit dem Fuß auf, woraufhin die Erde unter uns massiv zu beben be­gann, ich das Gleichgewicht verlor und die Eisfläche in viele dicke Eissplitter auf­brach. Leider hatte er bedacht, dass er barfuß war, und hatte bereits begonnen, das Eis um sich herum zu schmelzen, während ich mich noch hochrappelte. Dann begann er, zahllose Kopien von sich zu beschwören, die deutlich kampfkräftiger waren, als die Illusionen, die ich von mir erstellen konnte. So begann ich, wahllos Illusionen von Wänden und Möbeln zu kreieren, bis ich ein völlig unübersichtliches Labyrinth um uns geschaffen hatte, um einen Augenblick über mein weiteres Vor­gehen nachdenken zu können.

Aus den Augenwinkeln sah ich, wie in einem der wenigen bewohnten Häusern eine Frau auf den Balkon trat und in Ruhe begann, ihre Blumenkästen zu wässern. Dabei schweifte ihr Blick entspannt durch die Gegend, als genösse sie einfach eine ruhige Sommernacht, ohne uns wahrzunehmen. Suketo war zweifelsohne meisterhaft in solchen Dingen.

Ich allerdings hätte mich nicht ablenken lassen sollen, denn ich sah ihn oder eine seiner Kopien zu spät, wie er um die Ecke kam und mir ohne große Vorreden aus einem plötzlichen Sprung heraus einen kräftigen Tritt vor die Brust versetzte. Da­raufhin ließ ich die Wände um uns einstürzen, wobei es mir nützte, dass meine Illu­sionen noch immer verhältnismäßig handfest zu sein pflegten. Trotz dieses Über­raschungsangriffes ging es mir heute Abend sehr gut, so dass ich leicht einen akuten Schutzschild um mich erreichten konnte. Dieser schützte mich vor den meisten Trümmern, die auf uns niederpolterten. Dennoch traf ein massiver Balken mich hart an der Schulter. Mühsam versuchte ich, mich hervorzuwühlen, als die Überreste meines Labyrinths plötzlich abhoben und ich mich überrascht und etwas hilflos an ein Stückchen Wand klammerte, über das ich soeben noch drüber geklettert war. Da kam mal wieder Suketos Leidenschaft für Telekinese zum Tragen, die hier nur funk­tionierte, weil meine Illusionen für Illusionen eigentlich viel zu real waren.

„Wir sind also bei Lieblingsmagie angelangt?“, rief ich den vielen Suketos zu, die von unten zu mir empor grinsten.

Ich erwog, mich in irgendein Tier zu verwandeln und ihn anzugreifen, nur, dass ich noch immer in tierischer Gestalt Probleme hatte zu zaubern. So sehr ich es liebte, mich zu verwandeln, fiel mir dazu gerade nicht viel Kampftaugliches ein. Ich hätte mich in irgendwen verwandeln können, den ich kannte, um Verwirrung zu stiften, nur war Suketo diese Strategie von mir gewohnt und ließ sich davon kaum noch aus der Ruhe bringen. Fliegende Tiere beherrschte ich noch nicht und bei sogenannten Fabelwesen waren wir noch nicht angelangt. Ein Drache wäre jetzt zum Beispiel cool gewesen.

Vielleicht konnte ich einen beschwören, doch bezweifelte ich, dass ich eine so große Beschwörung beherrschen konnte und das wollte ich hier draußen nicht auspro­bieren. Mit Telekinese versuchte ich es erst gar nicht, da war ich ihm nicht gewach­sen. Aber ich musste wieder zurück auf den Boden und diese Kopien aussortieren, die allesamt begannen, Felsbröckchen zu beschwören und um ihre Finger tanzen zu lassen. Dabei durfte ich weder die Umgebung verwüsten, noch Suketo umbringen.

„Säure!“, schlug Dominique vor.

„Wir sind nicht im Keller“, gab ich zu bedenken. Suketo hatte mir selbst geraten, dass das etwas war, auf das in Übungskämpfen mit Leuten, die man nicht dauerhaft loswerden wollte, tunlichst verzichtet werden sollte.

„Treibsand“, meinte sie.

„Wieviel davon soll ich denn erschaffen, ich muss all diese Kopien loswerden.“

„Kopien vernichtende Säure.“

„Ich weiß nicht, ob ich das so gut differenzieren kann und auch das werde ich hier nicht ausprobieren.“

„Verwandle dich in Suketo“, sagte Tyler.

„Das ist er langsam auch gewohnt, das zieht nicht mehr“, wandte ich ein.

„Suketo ohne Klamotten – das ist er nicht gewöhnt“, schmunzelte Dominique.

„Auf keinen Fall!“

„Spinnen“, schlug sie vor.

„Doppeltes Nein. Und nicht lustig.“

„Den Kater“, überlegte Tyler, „den will er bestimmt kraulen und der kommt auch unbeschadet von hier aus auf dem Boden an. Deine Sportlichkeit in allen Ehren – aber du nicht.“

„Dann bin ich nackt, wenn ich mich zurückverwandle!“, protestierte ich.

„Das ist er gewohnt“, sagte Tyler unbeeindruckt.

Ohne einen konkreten Plan beschwor ich am Boden zuerst einmal jede Menge ext­rem niedlicher Häschen. Wie erhofft, waren die von so unwiderstehlicher Flauschig­keit, dass sich einige Suketos bückten, um sie an ihren superniedlichen Ohren zu kraulen. Wusste ich es doch!

Und ich sah auch, wie ein Suketo weiter hinten seine kraulenden Ebenbilder mit einer ungeduldigen Handbewegung verschwinden ließ. Ich war mir nicht sicher, ob es der echte war oder ein Ablenkmanöver. Aber da ein anderer mir einige Felsbrocken entgegenschleuderte, konnte ich mich nicht länger an meinem Stück Wand halten und ehe ich wusste, wie mir geschah, verwandelte ich mich tatsächlich in den schwarz dunkelgrün getigerten Kater, welcher weich auf allen vier Pfoten am Boden landete, umgeben von meinen Klamotten.

Noch immer hoppelten jede Menge Häschen um Suketos Kopien herum, welche größtenteils unschlüssig waren, wie sie reagieren sollten, mit so viel Niedlichkeit nicht klarkamen und die Häschen auch nicht angreifen mochten. Stück für Stück krachten nun auch die Trümmer meines Labyrinths wieder zu Boden und in dem Durcheinander verwandelte ich mich rasch zurück. Um noch etwas mehr Zeit herauszuschinden, in der ich wieder in meine Klamotten schlüpfen konnte, schleuderte ich jede Menge Glitzer in die Luft. Einige Suketos begannen zu schimp­fen, fühlten sich nicht ernst genommen und rechneten nicht damit, dass vereinzelte Glimmerfetzen hoch explosiv waren.

Als sich das Chaos von den Explosionen, den Trümmern und dem Glitzer langsam wieder legte und ich wieder etwas mehr erkennen konnte, sah ich, dass die meisten, mittlerweile glitzerbestäubten Häschen davongehoppelt waren und auch keine über­zähligen Suketos mehr übrig waren.

Dafür tauchte der echte hinter mir auf und aus dem vertrauten Knallen schloss ich, dass seine Magie sich rasch zu vielen peitschenden Strängen verflochten hatte. Mir gegenüber hatte er das bisher immer nur mit zweien gemacht, bis auf das Mal, als er mich vor seiner Tür empfangen und nach meinem Schwur weggeschickt hatte. Es zeigte sich, dass er das bisher so gemacht hatte, um mir eine Chance zu lassen, und ich verstand, wie Xochil sich mit mir fühlte.

Jedoch kam ich nicht dazu, mich schnell genug wegzuducken und meine Magie auch entsprechend zu verflechten, um mich zu wehren. Es knallte erneut und unzählige Stränge schlangen sich von hinten fest um meine Beine, meine Arme und meinen Oberkörper, bis ich mich nicht mehr rühren konnte.

„Willst du mich eigentlich verarschen?“, fragte er gefährlich ruhig und wischte sich mit dem Arm Glitzer aus dem Gesicht.

„Du hast mir aufgetragen, ich solle dich davon abhalten, mich anzugreifen. Du hast nicht spezifiziert, wie ich das genau machen soll“, grinste ich. „Außerdem musst du bedenken, dass ich gerade – wenn ich ehrlich sein soll – auch nicht ganz nüchtern bin.“

„Wir tun mal so, als wäre mir deine Fahne nicht bereits vor einer Weile aufgefallen. Außerdem tun wir auch mal so, als wäre dir klar, dass ich – da du noch nicht voll­jährig bist – die unschöne Aufgabe habe, auf dich aufzupassen, solange du bei mir wohnst und verantwortlich dafür bin, dass du keinen Blödsinn machst“, knurrte er.

„Oh“, machte ich etwas kleinlaut. „Du meinst zum Beispiel, ohne vorher Bescheid zu geben, sehr spät nach Hause zu kommen und ein klein wenig betrunken zu sein?“

„Genau so was meine ich“, knurrte er und zog die Stränge ein bisschen fester zusammen.

„Okay, seh ich ein, ‘Tschuldige!“, keuchte ich. „Sind wir fertig?“

„Ich glaube dir, dass du’s einsiehst, deine Entschuldigung nehme ich auch an, aber wenn du mir jetzt erzählst, du machst es nicht wieder… na ja. Hoffnung hab ich.“

„Mach ich nicht“, versicherte ich nachdrücklich. „– Derartiges sagen, meine ich.“

Ich hörte, dass er sich ein Kichern verbiss, als er so streng er konnte, anordnete: „Und nein, wir sind nicht fertig. Du hast nach wie vor eine Aufgabe – allerdings mit einer neuen Regel: Keine Häschen und kein Glitzer mehr. Und ich fasse es nicht, dass ich das in einem Duell extra betonen muss!“

 

„Gehen Rehlein?“, konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen und schrie, als er die Stränge noch fester zog.